Gegen eine Spende in beliebiger und selbstgewählter Höhe, die einer konkreten Maßnahme des Amphibienschutzes an der Bundesstraße 3 bei Bruchsal (Baden-Württemberg) zufließt, gibt der dortige Umwelt- und Naturschutzverein an interessierte Hobbygärtner und Naturfreunde das Saatgut der Kornrade ab. Bei dieser handelt es sich um ein früher sehr häufiges, heute jedoch massiv bedrohtes und fast ausgerottetes „Ackerunkraut“. Dabei ist die Kornrade eine sehr attraktive, lila blühende Pflanze: ursprünglich wohl aus dem östlichen Mittelmeergebiet stammend, zählt sie zu den Nelkengewächsen und kann eine Höhe von bis zu einem Meter erreichen. Noch vor Jahrhunderten spielte sie eine gewisse Rolle im bäuerlichen Leben - wenn auch nicht unbedingt im positiven Sinn, sondern durchaus als Gefahr für die Gesundheit.
Denn während die anderen Ackerwildkräuter wie Klatschmohn und Kornblume für die Bauern einst allenfalls lästig waren, konnte die Kornrade durch ihre Giftigkeit gefährlich werden, wenn ihre kleinen schwarzen Samen in das gemahlene Getreide und damit ins Brot gelangten. Aus Äckern und Getreidefeldern ist die Kornrade heute, im Zeitalter der chemischen Bekämpfung von Wildkräutern, völlig verschwunden. Noch um die Jahrhundertwende, ja vor Jahrzehnten wurde sie in botanischen Büchern als „gemein“ und „häufig“ bezeichnet - heute muss sie deutschlandweit der höchsten Gefährdungskategorie der Roten Liste zugeordnet werden.
Jenseits des Denkens in Begriffen wie „nützlich“, „schädlich“ oder „Unkraut“ ist die Erhaltung der Kornrade daher sowohl von ästhetischem Nutzen wie auch von Bedeutung für die Bewahrung der Artenvielfalt. Dabei heißt es sich der Problematik einer „künstlichen“ Vermehrung von Pflanzen in Gärten und der Abgabe von Samen seltener Arten durchaus bewusst sein! Dies kann zum einen zur Florenverfälschung in der freien Landschaft führen und zum anderen zu der falschen Ansicht mancher Hobbygärtner, Samen oder sonstige Teile seltener Pflanzen aus der Natur entnehmen und „daheim“ kultivieren zu dürfen. Insbesondere dieser Form der gärtnerischen Vermehrung von wildwachsenden Pflanzenarten heißt es kritisch gegenüberstehen.
Im Fall der Kornrade allerdings sind die Vorzeichen anders: ihre Erhaltung und Vermehrung durch menschliches Zutun ist aus dem Grunde zu rechtfertigen, weil das Vorkommen dieser Pflanze in unseren Breitengraden von jeher weitestgehend mit menschlicher Landnutzung zusammenhing. Sie ist insoweit ein „Kulturfolger“, als sie nach Beobachtungen von Pflanzenkennern immer wieder offenen Boden (wie er sich auf Äckern und in Gärten findet) benötigt, um sich durchsetzen zu können. Auf natürlichen Wiesen, wo sie starker Konkurrenz ausgesetzt ist, kann sich diese einjährige Pflanze nicht dauerhaft halten.
Der Same selbst, den der Bruchsaler Verein anbietet, ist der Ertrag aus einer seit Jahren kultivierten Nachzucht durch die Jugendgruppe der Naturschützer. Wer Interesse hat, dieses einst häufige, heute jedoch äußerst bedrohte Ackerwildkraut in seinem Garten nachzuziehen, kann weitere Informationen sowie Saatgut erhalten beim Verein für Umwelt- und Naturschutz Bruchsal-Untergrombach e.V., Thomas Adam, Bachstraße 36, 76646 Bruchsal, Fax 07257/4773. Das Saatgut selbst wird kostenlos abgegeben, jedoch verbunden mit der Bitte um eine Spende auf das Spendenkonto „Amphibienschutz Bundesstraße 3“, Konto 1 35 35 00 bei der Raiffeisenbank Bruchsal eG (BLZ 663 606 72).