Exkursion mit Revierleiter Michael Durst

Für den Wald gibt es keine Veränderung von heute auf morgen

Ökologische und ökonomische Aspekte der modernen Forstwirtschaft im Fokus

Bruchsal-Untergrombach (tam). Vom nördlichen Waldrand oberhalb des Untergrombacher Wohngebiets Hochstatt zeigt Michael Durst hinüber zum Michaelsberg.
„Manchmal“, sagt der Revierleiter des Bruchsaler Stadtwalds, „wünsche ich mir, eine Zeitreise machen zu können, 6000 Jahre zurück in das Steinzeitdorf
oben auf der Bergkuppe. Für einen Tag und eine Nacht, und dann wieder in die Gegenwart.“ Aus Sicht des Forstmanns zweifellos die Begegnung mit einem
besonderen Kapitel der Geschichte, haben doch schon die frühgeschichtlichen Siedler durch erste große Rodungen den Wald und damit die Landschaft in der
Region stark verändert. Wie diese Veränderungen begannen, wie sie das heutige Bild der Wälder prägen und welche Herausforderungen auf die Forstwirtschaft
in den kommenden Jahrzehnten zukommen werden, diese Aspekte standen im Mittelpunkt einer Exkursion, zu der sich auf Einladung des Vereins für Umwelt- und
Naturschutz Untergrombach rund 40 Interessierte gemeinsam mit Revierförster Durst auf den Marsch durch den Bergwald in Richtung Weingarten begaben.
Über zuweilen schmale Pfade und abschüssige Hänge führte der Weg bis zur tief eingeschnittenen Ungeheuerklamm, immer wieder lenkte Durst an passender
Stelle den Blick auf ökologische wie ökonomische Aspekte der modernen Forstwirtschaft. Wann er denn endlich vorhabe, den Wald wieder aufzuräumen,
werde er hier und da gefragt. Was aufräumen? Das viele herumliegende Altholz. Gerade für eine ältere Generation, die teilweise noch das Laubstreurechen
am Waldboden und das Sammeln von Leseholz für die häuslichen Herdfeuer kannte, ist ein solcher „wilder Wald“ zumindest gewöhnungs- und auch erklärungs-
bedürftig, entspricht aber längst einer veränderten Sicht auf Forstnutzung und Holzwirtschaft. Und die klimatischen Veränderungen in der Gegenwart, gerade
im Blick zurück auf den trockenheißen Sommer der letzten Monate? Durst greift bei dieser Frage auf einen Vergleich mit der Agrarwirtschaft zurück: „Ein
Landwirt kann seinen Anbau von Jahr zu Jahr ändern, er kann immer neu entscheiden, was er im nächsten Frühjahr auf seinem Acker aussät.“ Ein Förster jedoch
könne den Wald nicht von heute auf morgen ändern, sondern sei für die nächsten rund 150 Jahre auf den jetzt nachwachsenden Artenbestand festgelegt. Jeglichen
Überlegungen, angesichts möglicher klimatischer Veränderungen auf den Anbau exotischer Gehölze umzusteigen, die mit solchen Bedingungen womöglich besser
zurechtkommen, erteilte Durst eine Absage. Klares Credo der Forstwirtschaft: Auch künftig die heimischen Arten fördern, jede an dem für sie typischen und
geeigneten Standort. „Das bietet die beste Gewähr für vitale und stabile Waldgesellschaften“, sagt Durst. Und zu denen gehören immer wieder auch Tierarten –
von der Wildkatze über den Uhu bis hin, vielleicht, zum Wolf –, deren Bestände sich nach früheren starken Einbrüchen in den letzten Jahren wieder stabilisiert
haben. Umgekehrt schaffen neue Gefährdungen wie die Afrikanische Schweinepest bisher ungeahnte Risiken für die Wildbestände – und lassen dann doch selbst den
vermeintlich „ewigen“ Wald zu einem Ort allmählicher, manchmal sogar plötzlicher und unvermittelter Veränderung werden.

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